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Projekte der Innovationsförderung: inNOVATION – Standalone Virtual Reality-basierte Kollaboration im Mobilitätssektor

Frankfurt am Main, 01.07.2021 – Das Land Hessen und die HOLM GmbH unterstützen seit 2014 im Rahmen der hessischen Innovationsförderung innovative Projekte und Vorhaben im Bereich Logistik und Mobilität. Inzwischen sind zahlreiche Ideen aus Mitteln des Landes und unter der Projektträgerschaft der HOLM GmbH und der HA Hessen Agentur GmbH gefördert und viele Projekte abgeschlossen worden. Die Projekte werden hier in loser Folge vorgestellt.

Heute: inNOVATION – Standalone Virtual Reality-basierte Kollaboration im Mobilitätssektor, ein Projekt der Universität Siegen und des Forschungskollegs der Universität Siegen (FoKoS).

Prof. Dr. Dr. Björn Niehaves, Inhaber des Lehrstuhls für Wirtschaftsinformatik sowie Direktor des Forschungskollegs (FoKoS) an der Universität Siegen, und Projektkoordinatorin Anna Zeuge haben unsere Fragen über das Projekt beantwortet.

Wie ist die Idee für das Projekt entstanden?
Anna Zeuge: Die Idee entstand durch die enge Zusammenarbeit des Lehrstuhls für Wirtschaftsinformatik von Herrn Univ.-Prof. Dr. Dr. Björn Niehaves mit verschiedenen Kommunen und Landkreisen. Im Dialog insbesondere mit Mobilitätsexperten*innen ergab sich, dass digitale Kollaboration bisher nur eingeschränkt möglich war. Als Grund dafür wurde angeführt, dass gängige Kollaborationstools wie Audio- oder Videokonferenzen besonders dann an ihre Grenzen kommen, wenn es um eine interaktive und flexible Zusammenarbeit geht, zum Beispiel Prototyping. Da sich der Bereich „Smart Work“ des Lehrstuhls insbesondere mit der Arbeitsplatzgestaltung von morgen beschäftigt, entwickelte sich die Idee zu untersuchen, welchen Mehrwert die Virtual Reality-Technologie für eine digitale Kollaboration im Mobilitätssektor bieten kann. VR-Technologie ermöglicht eine interaktive digitale Kollaboration der Akteure. Um jedoch die besonderen Gegebenheiten im Mobilitätssektor zu berücksichtigen, also zum Beispiel die intensive standortübergreifende Arbeit, schärfte sich das Ziel des Projekts, neues Wissen über die Einsatzmöglichkeiten von „standalone“ VR-Technologie für eine digitale Kollaboration zu generieren. Standalone VR-Headsets besitzen gegenüber klassischen VR-Headsets den Vorteil, dass sie ohne Anschluss an einen Computer betrieben werden können, das heißt sie übernehmen eigenständig den erforderlichen Rechenaufwand mittels eigner Prozessoren und besitzen einen verbauten Akku. Vor diesem Hintergrund zielt unser Projekt darauf ab zu untersuchen, wie digitale Kollaboration durch den Einsatz von standalone VR mobil möglich gemacht werden kann, um beteiligten Akteuren zu ermöglichen, unabhängig von ihrem Standort interaktiv zusammenzuarbeiten.

Welche Bedeutung hat/hatte die HOLM-Innovationsförderung für das Projekt?
Anna Zeuge: Das große HOLM-Netzwerk hat sich als großartige Möglichkeit für das Forschungsprojekt bewiesen. Einerseits konnte das Projekt von dem Fachwissen der Expert*innen aus verschiedenen Bereichen der Mobilität und Logistik profitieren. So konnten über das Netzwerk ein Teil der Interviewpartner des Forschungsprojekts gewonnen werden. Andererseits bietet das HOLM die großartige Möglichkeit, vorläufige Ergebnisse mit anderen Hochschulen zu teilen und diskutieren, zum Beispiel im Rahmen des Hochschul-Jour fixe. Darüber hinaus konnten Zwischen-Ergebnisse über die Kanäle des HOLM wie LinkedIn kommuniziert werden, wodurch diese eine noch größere Sichtbarkeit erlangt haben.

Welchen Nutzen für Wirtschaft und/oder Wissenschaft/Politik/Gesellschaft sehen Sie für Ihr Projekt?
Prof. Björn Niehaves: Digitale Kollaboration hat bereits vor der Pandemie zunehmend an Bedeutung gewonnen. Die aktuelle Pandemie hat jedoch die Relevanz für digitale Kollaboration nochmal zusätzlich unterstrichen. Gleichzeitig wurden aber auch die Grenzen gängiger digitaler Kollaborationstools deutlich. Insbesondere eine interaktive Kollaboration zwischen mehreren Akteuren, die beispielsweise für kreative Kollaborationsaufgaben erforderlich ist, ist in gängigen Tools wie digitalen Whiteboards nur eingeschränkt möglich. Unser Forschungsprojekt trägt somit dazu bei zu untersuchen, wie VR-Technologie eine interaktive Kollaboration unterstützen kann und generiert neues Wissen darüber, wie standalone VR-Technologie im Mobilitätssektor eingesetzt werden kann. Das Projekt weist eine sehr hohe Skalierbarkeit auf und ist in der Lage einen Modellcharakter für andere Anwendungsbereiche wie Maschinen- oder Anlagebau oder Energiebranche einzunehmen.

Was hat Sie am Projekt am meisten überrascht? Über welche Zwischenergebnisse können Sie berichten?
Prof. Björn Niehaves: Im Projekt haben sich bisher zahlreiche spannende Zwischen-Ergebnisse ergeben. Besonders spannend ist, dass (standalone) VR-Technologie in den Augen der Interviewees nicht nur neue Möglichkeiten für die eigentliche Kollaboration schafft. Vielmehr zeigte sich, dass ein elementarer Grundstein der digitalen Kollaboration das „Zusammengehörigkeitsgefühl“ zwischen den Akteuren ist. Die Interviewees hoben hervor, dass bei der Nutzung klassischer Kollaborationstools wie Video- oder Audiokonferenzen dieses „Zusammengehörigkeitsgefühl“ oftmals nur schwer zu Stande kommt. (Standalone) VR-Technologie kann hierbei neue Möglichkeiten schaffen, den Zusammenhalt zu stärken. Beispielsweise ist es in den Augen der Interviewees eine Möglichkeit, Teamwettbewerbe in der VR-Welt zu veranstalten in denen verschiedene Teams zusammenarbeiten und gegen andere Teams antreten. Das gemeinsame Erlebnis und die erforderliche Zusammenarbeit in der VR-Umgebung stärken hierdurch direkt durch die spielerische Zusammenarbeit und indirekt durch die Stärkung des Zusammengehörigkeitsgefühls die Kollaboration.

Wo sehen Sie einen weiteren Forschungs-/Anwendungsbedarf und/oder Einsatzbereich?
Prof. Björn Niehaves: Das Forschungsprojekt untersucht mit qualitativen Methoden, wie Interviews und Workshops verschiedene Aspekte, die aus der subjektiven Sicht der Interviewees für eine kollaborative Arbeit mittels standalone VR-Technologie im Mobilitätssektor notwendig sind. Gleichzeitig werden Facetten herausgearbeitet, die die Kollaboration in der VR-Umgebung verstärken. Ein spannender Anknüpfungspunkt für weitere Forschung wäre es zu untersuchen, wie sich die einzelnen Faktoren, also zum Beispiel die verschiedenen Typen von Kollaborationsaufgaben, objektiv auf die Intention zu kollaborieren sowie auf den Kollaborationserfolg auswirken.

Mit welchen Partnern möchten/wollen Sie das Projekt ggf. fortführen/weiter entwickeln?
Anna Zeuge: Um basierend auf der Anforderungsanalyse und der fachlichen Konzeption des Projekts aufzubauen und einen Demonstrator für den Mobilitätssektor in einem weiteren Forschungsprojekt zu entwickeln, bedarf es ein Konsortium aus einem oder mehreren Anwendungspartner, also einem oder mehreren Mobilitätsunternehmen, und einem VR-Entwickler. Der VR-Entwickler würde insbesondere die Arbeitspakete „technische Konzeption“, „Entwicklung“ und „Testing“ verantworten. Der Anwendungspartner würde die Arbeitspakete „Umsetzung“ und „Evaluation“ des VR-Demonstrators leiten. Als Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik würden wir das Konsortium abrunden und insbesondere die Arbeitspakete „Akzeptanz“ und „Transfer & Nachhaltigkeit“ verantworten.

Projekte der Innovationsförderung: inNOVATION – Standalone Virtual Reality-basierte Kollaboration im Mobilitätssektor