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Die Verkehrswende fängt im städtischen Quartier an – Rückblick auf die Jahreskonferenz des Clusters Hessen Mobility

Frankfurt am Main, 30.09.2021 – Wer sich auf Verkehrswende, Autokorrektur und Pop-up-Radwege beschränkt, wird die Verkehrswende auf Dauer und im notwendigen Maße nicht erfolgreich befördern: Das ist eines der Ergebnisse der Jahreskonferenz „Zukunftsfähige Mobilität in einer lebenswerten Stadtregion“ des Clusters Hessen Mobility, die am 13. September 2021 im House of Logistics and Mobility (HOLM) stattfand.

Verkehr als Sekundärfunktion ist Ergebnis von Raum- und Siedlungsstrukturen, die unnötigen Verkehr erzwingen, wenn die Strukturen nicht bedarfsgerecht für Menschen geplant sind. Die Verkehrswende fängt deshalb im städtischen Quartier an, das im Nahbereich idealerweise alle Versorgungseinrichtungen bereitstellt, und endet in der Region, wo der schienengebundene Personenverkehr auch in Zukunft das Rückgrat eines weniger umweltwirksamen Verkehrs bildet. In der Übergangszone von Kernstädten und Regionen leiten On-Demand-Verkehre die Verkehrswende ein, weil sie den Verzicht aufs eigene Auto ermöglichen und befördern und mehr Mobilität bei weniger Verkehr ermöglichen.

Prof. Dr. Lamia Messari-Becker, Club of Rome, betonte, dass bei der Verkehrswende im Quartier begonnen werden müsse, weil die Quartiere Keimzellen des positiven Wandels sein könnten, was Flächenverbrauch und Parkplatzausweisungen angehe. Bürokratie müsse abgebaut, die Kommunalverwaltungen für die neuen Aufgaben ausgebaut werden und Städte mehr Entscheidungskompetenz erhalten. „Wir brauchen einen Modernisierungskraftakt auf allen Ebenen.“

Anne Klein-Hitpaß vom Deutschen Institut für Urbanistik sieht im Hinblick auf die Verkehrswende eine Vielzahl von Rahmenbedingungen, „die wir heute verändern können und die den Kommunen mehr Spielraum geben“. Das könne ganz schnell geschehen. Bislang aber sei das Auto der dominante Faktor in der Straßenverkehrsordnung mit ihrem Ziel, die Leichtigkeit und Flüssigkeit des Autoverkehrs sicherzustellen. Aus Gesundheits- oder Klimaschutzgründen könnten Kommunen deshalb nicht in den Verkehr eingreifen.

Anja Riedle, Leiterin Smart City der Schweizerischen Bundesbahn (SBB) AG und Mitgründerin des Smart City Labs Basel, plädiert in der Debatte über die Verkehrswende für einen ganzheitlichen Ansatz bei der Entwicklung von Raumplanung und Verkehr. Neue technologische Möglichkeiten sollten genutzt werden, um wachsende Städte attraktiver zu machen und sie durch die Digitalisierung auf ein neues Level zu heben. Das müsse aber partnerschaftlich und partizipativ geschehen.

Luxemburgs Vizepremierminister Francois Bausch sprach sich für eine Politik für ein anderes Mobilitätssystem aus. Er wolle keine Politik gegen ein Verkehrsmittel, etwa gegen das Auto machen, „das bringt nichts.“  Menschen bewegen und nicht Fahrzeuge, das sei sein Leitmotiv. Ein Recht auf Bildung und Kultur, auf eine bezahlbare Wohnung müsse ebenso selbstverständlich sein wie der freie Zugang zu Mobilität. Der Markt könne das nicht lösen, weshalb Luxemburg den Zugang zum Öffentlichen Nahverkehr seit März 2020 gratis anbietet.

Prof. Knut Ringat, Sprecher der Geschäftsführung des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV), bekannte, dass ihm ein wenig weh ums Herz sei angesichts der 448 Euro pro Kopf und Jahr, die in Luxemburg in den Ausbau der Eisenbahn gesteckt werde. Hier zu Lande seien es 76 Euro. In Deutschland sei die Lage im Vergleich zu Luxemburg angesichts von 16 Bundesländern und 13 ÖPNV-Gesetzen schwieriger. Gleichwohl versucht der RMV, mulitmodale Angebote sukzessive aufzubauen. Immerhin seien die Bundesmittel für den ÖPNV von einst 333 Mio. Euro auf inzwischen eine Mrd. Euro erhöht worden, 2025 sollen zwei Milliarden Euro sein. „Wir kommen voran.“ Am Tag der Veranstaltung hat der RMV laut Prof. Ringat einen Förderbescheid des Bundesverkehrsministeriums über 20 Mio. Euro für die Plattformentwicklung im ÖPNV erhalten.

Ein Video des gesamten Konferenztags ist hier abrufbar.

Bei weiteren Fragen zur Veranstaltung und zu damit verbundenen Themen wenden Sie sich bitte an Jürgen Schultheis, Clustermanager Hessen Mobility, via E-Mail an juergen.schultheis@frankfurt-holm.de

Mehr über die Jahreskonferenz sowie über die anstehende HOLM-Veranstaltung „Quantencomputing in Aviation, Logistik und Mobilität“ am 8. November 2021 berichtet Jürgen Schultheis außerdem im Interview mit dem Frankfurter Zukunftskongress.

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