Sie möchten diese Information von HOLM mit anderen teilen?

Sie möchten diese Information über einen Social Network- oder einen Bookmark-Dienst teilen:

Facebook Twitter AddThis
×

Besuchen Sie uns:



Förderpartner des HOLM


×
Frankfurt am Main , den 13.06.2018

Konsortium entwickelt webbasierte IT-Plattform MYTIGATE im HOLM

Transparenz und Sicherheit in der Pharma Supply Chain


Die deutsche Pharmaindustrie ist mit einem Umsatz von knapp 42 Mrd. Euro im Jahr 2017 einer der bedeutendsten Wirtschaftszweige in Deutschland. Der Wert der pharmazeutischen Produkte, die per Luftfracht von und nach Deutschland befördert wurden, lag 2016 bei rund 118 Mio. Euro. Problematisch bei Luftfrachttransporten ist, dass nach Aussagen der International Air Transport Association (IATA) rund 20% der temperaturgeführten Pharmaprodukte eine Unterbrechung der Kühlkette oder starke Temperaturabweichungen verzeichnen. Seit September 2017 tagt im HOLM deshalb monatlich ein Konsortium aus Vertretern der Pharmaindustrie, den Hochschulen, der Transport- und Logistik- sowie IT- und Prozessberatungsbranche unter der Leitung von Prof. Yvonne Ziegler, Luftverkehrsexpertin der FRA UAS, im HOLM, um eine gemeinsame Lösung für diese Verluste zu entwickeln.

Digitalisierung der Pharma Supply Chain

 Der Druck auf die Pharmaindustrie und Ihre Partner entlang der Supply Chain wächst. In den vergangenen Jahren hat sich die Rechtslage verschärft, was bedeutet, dass ein entsprechendes Risk Management von den Pharmaunternehmen eingefordert wird mit dem Ziel, mehr Sicherheit und Transparenz entlang der Supply Chain zu erreichen. Als Konsequenz steigt bei Produzenten, Großhändlern und Logistikdienstleistern der Wunsch nach einem webbasierten IT-Tool, das unter den Aspekten erhöhter Sicherheit, Wachstum und Umsatzsteigerung die Transportkette umfassend visualisiert und risikobasiert voraussschauend planbar macht. Das praxisbezogene Forschungsprojekt der FRA UAS greift diesen Wunsch auf: Die Luftfahrtexpertin der FRA UAS, Prof. Dr. Yvonne Ziegler, arbeitet mit Hochdruck daran, gemeinsam mit der Hochschule Rhein Main, der Hochschule Fulda, der Bayer AG, der Boehringer Ingelheim Pharma GmbH & Co. KG, der Frigo-Trans GmbH und der

GEFCO Forwarding Germany GmbH ein wissenschaftliches, webbasiertes IT-Tool zu entwickeln. Das zu diesem Zweck gegründete Start up MYTIGATE wird Pharmaherstellern und ihren Supply Chain Partnern eine IT-Plattform zur Verfügung stellen, die bei der Identifizierung, Analyse, Bewertung und Minimierung der Risiken entlang der Supply Chain unterstützt und den Pharmaproduzenten ermöglicht, künftig ihre Pharma-Supply-Chain vorausschauend risikobasiert zu managen. Denn MYTIGATE stellt dem Pharmaproduzenten ein standardisiertes Verzeichnis von Partnern und ihren Fähigkeiten entlang einer bestimmten Transportroute zur Verfügung. Im nächsten Schritt identifiziert MYTIGATE mögliche Risiken entlang der Lieferkette und zuletzt schlägt es die Transportwege und -partner mit dem geringstmöglichen Risikopotenzial vor. Zu den theoretisch ermittelten Risikokennzahlen wird MYTIGATE einen Abgleich mit den real erlebten Unregelmäßigkeiten der Pharmaunternehmen und Spediteure vornehmen (Root Cause Data), um eine Einschätzung aus Theorie und Realität geben zu können. Datenbanken, die beispielsweise Wetter- oder politische Daten erfassen, sind ebenfalls in das IT-Tool integriert.

Entsprechend kann MYTIGATE zur Qualifizierung neuer Routen genutzt werden und ermöglicht Pharmaunternehmen Zeit und Kosten zu sparen. Die Risikoinformationen von MYTIGATE lassen sich auch zur Dokumentation der Entscheidung gegenüber Behörden verwenden.

Blockchain als Schlüsseltechnologie

Für ein Tracking der Integrität der Sendungen wird aktuell der Einsatz der Blockchain-Technologie getestet. Mytigate arbeitet hier in enger Kooperation mit GFT Technologies SE (GFT) an einem Proof of Concept. Ziel ist es, ein Planungs- und Tracking-System auf Basis der Distributed-Ledger-Technologie (DLT) zu entwickeln. Denn die DLT ermöglicht eine sichere und transparente Verfolgung von Sendungen insbesondere im Hinblick auf die Übergabepunkte der Supply Chain. Die Supply-Chain-Partner können sofort Abweichungen und Unregelmäßigkeiten in der Blockchain dokumentieren. Die Blockchain ermöglicht es, die Auswahlentscheidung der Pharmaunternehmen unveränderbar zu dokumentieren und die Supply-Chain-Partner können gegenüber Behörden und Partnern Zertifikate nachweisen. Es wird angestrebt, eine kommerzielle Lösung zu entwickeln.

Der Fokus von MYTIGATE liegt zunächst auf dem Luftverkehrsweg, denn dort ist die Quote der Unregelmäßigkeiten aufgrund der vielen Schnittstellen deutlich höher als bei See- und Landtransporten. Langfristig soll das Tool aber auch weitere Verkehrsträger und Branchen integrieren.

Standards setzen

Entscheidender Vorteil von MYTIGATE ist seine Neutralität, die durch die moderierende Leitung der Frankfurt University of Applied Sciences in Zusammenarbeit mit der Hochschule Rhein Main und der Hochschule Fulda gewährleistet wird. Unter der neutralen Leitung entwickelt das MYTIGATE Standards bei der Risikobewertung in Kooperation mit dem Projektteam und einem umfassenden  Beirat aus Branchenvertretern wie der International Air Transport Association (IATA), dem Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie e.V. (BPI), dem Regierungspräsidium Darmstadt als Regulierungsbehörde, der AirCargo Community Frankfurt e.V. und weiteren Unternehmen aus der Pharmaindustrie (Roche Diagnostics GmbH, Sanofi-Aventis Deutschland GmbH, Merck, R-Biopharm AG) sowie der Logistikdienstleistung (Schenker Deutschland AG, Bolloré Logistics) und der Luftfracht (Lufthansa Cargo AG, Flughafen Düsseldorf Cargo GmbH).

Die Gesamtausgaben werden mit rund einer Millionen Euro beziffert, die zur Hälfte von den Projektpartnern getragen werden. Das Land Hessen unterstützt das praxisbezogene Forschungsprojekt „Pharma Supply Chain Risk Management in der Luftfracht“ (Projektnummer 555/17-37) im Rahmen von Hessen ModellProjekte aus Mitteln der LOEWE – Landes-Offensive zur Entwicklung Wissenschaftlich-ökonomischer Exzellenz, Förderlinie 3: KMU-Verbundvorhaben mit einem Fördervolumen von knapp 500.000 Euro.

Pressekontakt:


Jürgen Schultheis

House of Logistics & Mobility (HOLM) GmbH
Geschäftsbereich Netzwerk & Kollaboration
Bessie-Coleman Straße 7
Gateway Gardens
60549 Frankfurt am Main

Tel.: + 49 69 / 240070-556

E-Mail: juergen.schultheis@frankfurt-holm.de

Web: www.frankfurt-holm.de