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Frankfurt am Main, den 08.12.2017

Projekte der Innovationsförderung (4): "RIMA-KIL - Risikomanagement für kritische Infrastrukturen in der Logistik"

Projekt der Hochschule Fulda

 

Das Land Hessen und die HOLM GmbH unterstützen seit 2014 im Rahmen der hessischen Innovationsförderung innovative Projekte und Vorhaben im Bereich Logistik und Mobilität. Inzwischen sind zahlreiche Ideen aus Mitteln des Landes und unter der Projektträgerschaft der HOLM GmbH und der HA Hessen Agentur GmbH gefördert und viele Projekte abgeschlossen worden. In den nächsten Monaten werden wir in loser Folge die Projekte vorstellen.

Heute präsentieren wir das Projekt "RIMA-KIL - Risikomanagement für kritische Infrastrukturen in der Logistik", das sich mit Bedrohungen bspw. durch Überschwemmungen oder terroristische Angriffe auf logistische Infrastrukturen beschäftigt. Die Fragen beantwortete Herr Prof. Dr. Michael Huth, Department of Business Logistics and Supply Chain Management.

1. Wie ist die Idee für das Projekt entstanden?

Anfang 2015 brachte das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur ein Dokument zur „Sicherheitsstrategie für die Güterverkehrs- und Logistikwirtschaft" heraus. Dieser Meilenstein, der zu einer stärkeren Wahrnehmung und Sensibilisierung für dieses wichtige Thema führen sollte, zeigte aber auch, dass noch „Luft nach oben“ besteht. Das Thema „Risikomanagement“ wird abseits von Finanzrisiken und Datensicherheit oft sträflich vernachlässigt. Kritische Infrastrukturen in der Logistik jedoch sorgen dafür, dass die Versorgung von Unternehmen und der Bevölkerung erst möglich gemacht wird. Eine Einschränkung oder gar ein Ausfall kritischer logistischer Infrastrukturen kann – wie wir ihn im Fall „Rastatt“ gesehen haben – zu erheblichen volkswirtschaftlichen Schäden wie Versorgungsengpässen und betriebswirtschaftlichen Verlusten führen, etwa durch Strafkosten für Lieferverzüge. Aus dieser Diskrepanz zwischen Bedeutung für eine Volkswirtschaft und seine Unternehmenslandschaft und tatsächlicher Umsetzung ergab sich die Frage, wie diese Lücke zu schließen sei.

2. Welche Bedeutung hat/hatte die HOLM-Innovationsförderung für das Projekt?

Erst die HOLM-Innovationsförderung hat es ermöglicht, die Fragestellung durch zwei separate, zeitlich aufeinander folgende Projekte anzugehen, die jeweils unterschiedliche Facetten der angesprochenen Problematik beleuchten. Im ersten Projekt (RIMA-KIL) ging es darum, einen Methodenkoffer für die Durchführung des Risikomanagements aufzubauen, so dass Entscheidungsträger geeignete Methoden kennen und auswählen können. Im zweiten, derzeit noch laufenden Projekt (BARM-KIL) werden Best-Practice-Umsetzungen des Risikomanagements bei Betreibern und Nutzern logistischer Infrastrukturen erhoben und dokumentiert. Diese Beispiele können als Anhaltspunkt für die Ausgestaltung des Risikomanagements im eigenen Unternehmen fungieren. Die HOLM-Innovationsförderung gab uns die Chance, mit einem wissenschaftlichen Mitarbeiter sowie studentischen Hilfskräften intensiv an den Themen zu arbeiten und ein breites Netzwerk von Infrastrukturbetreibern und -Nutzern, insbesondere für das zweite Projekt, anzusprechen.

3. Welchen Nutzen für Wirtschaft und/oder Wissenschaft / Politik / Gesellschaft sehen Sie für Ihr Projekt?

Wir beschäftigen uns mit Risiken für kritische Infrastrukturen, also mit möglichen Ereignissen, die sich auf die Verfügbarkeit der logistischen Infrastrukturen auswirken können. Indirekt betroffen davon sind sowohl nahezu alle Unternehmen außerhalb des Dienstleistungssektors als auch die Bevölkerung selbst. Direkt betroffen sind außerdem Betreiber logistischer Infrastrukturen sowie die Politik – zwei Gruppen von Akteuren, die im Zweifel verantwortlich für die Versorgungssicherheit der Gesellschaft sind. Die Projekte dienen dazu, kritische logistische Infrastrukturen entweder sicherer oder weniger systemkritisch zu machen. Auch wenn man Risiken nicht vollständig vermeiden kann, soll ein systematischer und methodisch-fundierter Umgang mit Risiken dazu führen, dass das Gefährdungspotenzial – und damit auch die Auswirkungen für die Stakeholder – reduziert werden kann. Ein Nutzen ist damit für Politik, Wirtschaft und Bevölkerung in hohem Maße vorhanden.

4. Was hat Sie am Projekt am meisten überrascht?

Überrascht waren wir, dass trotz der Bedeutung des Themas doch weiterhin eine große Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit des Risikomanagements besteht. Im Privatbereich ist für uns das Thema Risikomanagement sehr präsent – diese Bedeutung gilt allerdings nur in Ansätzen für den wirtschaftlichen Bereich. Die angesprochene Lücke betrifft sowohl die Sensibilisierung für die Bedeutung des Risikomanagements als auch die konkrete und effektive Umsetzung und Anwendung. Insbesondere Politik und Infrastrukturbetreiber, aber auch viele Unternehmen, fokussieren Ihre Bemühungen im Bereich des Risikomanagement heute nahezu ausschließlich auf die Bereiche Datenschutz und das Management finanzieller Risiken, während "handfeste" Risiken wie etwa Umweltkatastrophen oder Terroranschläge kaum Beachtung in der Literatur und Praxis finden. Möglicherweise verändert „Rastatt“ diese Situation.

5. Wo sehen weiteren Forschungs-/Anwendungsbedarf und/oder Einsatzbereich?

Die beiden Projekte (also der Methodenkoffer, aber auch die Best-Practice-Beispiele) geben einem Entscheidungsträger erste Tools und Gestaltungshinweise an die Hand. Das kann aber nur ein Anfang sein. Vor allem die Bewertung von Risiken bedarf einer weiteren methodischen Unterstützung. Dies kann beispielsweise durch Referenzmodelle und/oder Simulationsansätze erfolgen.

6. Mit welchen Partnern möchten/wollen Sie das Projekt fortführen/weiter entwickeln?

Die Rückmeldungen aus der Wirtschaft sind derzeit überschaubar. Es gibt durchaus Unternehmen, die Sinn und Zweck erkannt haben und auch das Engagement zeigen, das eigene Risikomanagement aufzubauen oder zu verbessern. Andererseits sind vor allem Infrastrukturbetreiber oftmals zurückhaltend, weil allein der Begriff des „Risikos“ in der Regel negativ besetzt ist. Gerade diese Unternehmen (oder öffentlichen Institutionen) scheinen einer vertieften inhaltlichen Auseinandersetzung, selbst mit Forschungseinrichtungen wie einer Hochschule, skeptisch gegenüberzustehen. Unseres Erachtens ist die Thematik aber zu wichtig und gleichzeitig der Stand des Risikomanagements für kritische logistische Infrastrukturen zu rudimentär, um nicht einen ganzheitlichen, strukturierten Ansatz zu verfolgen. Von daher ist unser Bestreben, auch mit großen Infrastrukturbetreibern und der Politik noch stärker gemeinsame Lösungsansätze zu entwickeln