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Frankfurt am Main , den 19.10.2017

Al-Wazir: "Es kann so nicht weitergehen"

Impulsvortrag zu Beginn der Diskussion "Ethik der Mobilität - wie viel Verkehr können wir noch verantworten?"


In wachsenden Ballungsräumen kann die Mobilität nicht so aufrechterhalten werden, „wie wir sie in den vergangenen Jahrzehnten erlebt haben“. Angesichts von Staus und umweltschädlichen Emissionen sei klar, „dass es so nicht weitergehen kann“. Davon ist Hessens Minister für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung, Tarek Al-Wazir, überzeugt. „Wir müssen kluge Lösungen finden, damit wir ethisch verantwortbar unsere Mobilität aufrecht erhalten können, ohne menschliche und gesellschaftliche Kosten zu verursachen, die, wenn wir ehrlich sind, niemand verantworten kann“, sagte der Minister Anfang Oktober in seinem Impulsvortrag zu Beginn der Diskussionsrunde „Ethik der Mobilität – wie viel Verkehr können wir noch verantworten?“ im House of Logistics and Mobility (HOLM).

Mobilität sei für Hessen ein sehr wichtiger Faktor. Die Bahn beschäftigt laut Al-Wazir in Frankfurt mehr Menschen als in Berlin, die Lufthansa ist Hessens größter privater Arbeitgeber. Der wichtigste Bahnhof Deutschlands steht in Frankfurt, Messe Frankfurt und VW in Baunatal sind nach Angaben des Ministers weitere ökonomisch relevante Faktoren.

Die Kehrseite der Medaille seien die Belastungen, die vom Verkehr ausgehen, etwa durch den CO2-Ausstoß. „Da dürfen wir gar nicht genau hinschauen, da wird einem ganz anders.“ Im Gegensatz zum Stromsektor, der bei einem Wirtschaftswachstum von 20% den Verbrauch in den vergangenen 16 Jahren um 16% zu reduziert hat, „sind wir im Verkehrsbereich nicht gut, sondern vergleichsweise sogar schlecht. Das deutet daraufhin, dass wir dringend etwas tun müssen.“  

Es müsse künftig darum gehen, „Mobilität weiterhin sicherzustellen, sie aber anders und besser zu organisieren. Das wird unser großer Job in den nächsten Jahren und Jahrzehnten sein.“ Wie das zu organisieren ist, sei gesellschaftlich hoch umstritten. „Wir sollten uns mal überlegen, was hier los wäre, wenn einer ein Tempolimit durchsetzen würde. Rein rational dürfte das ja eigentlich keine wirkliche Frage sein.“

Die Alternativen zum motorisierten Individualverkehr müssen nach Einschätzung des Ministers gestärkt werden. 58% aller Wege in Hessen werden mit dem Auto zurückgelegt, ein Viertel dieser Wege ist kürzer als ein Kilometer. „Das ist eigentlich nicht zu erklären“, sagte Al-Wazir angesichts der kurzen Distanz.

Die Landesregierung will deshalb die Nahmobilität in Hessen stärken und hat die Arbeitsgemeinschaft Nahmobilität Hessen (AGNH) gegründet. Inzwischen sind fast 200 Kommunen  von insgesamt 426 Städten und Gemeinden und 21 Landkreisen in Hessen Mitglied der AGNH, in der die Mitglieder voneinander lernen sollen und deren Projekte auch finanziell gefördert werden. „Die Stadt, in der man gerne zu Fuß geht und Rad fährt, ist am Ende auch eine menschenfreundliche Stadt.“

Weitere Schritte in eine verantwortbare Mobilität sind laut Al-Wazir der beabsichtigte Bau von Radschnellwegen, der Ausbau der ICE-Strecken Frankfurt- Fulda und Frankfurt – Mannheim, das landesweite Schülerticket und der Aufbau von Mobilitätsstationen, , die es erlauben, günstig und einfach vom ÖPNV auf e-Carsharing und Rad umzusteigen“.

Ein weiterer Schritt sei die Entscheidung der Wiesbadener ESWE Verkehrsgesellschaft, die gesamte Busflotte, die bisher von Dieselmotoren angetrieben wird, in den nächsten vier Jahren zu elektrifizieren. Im Blick auf die Ausschreibung sagte Al-Wazir: „Die deutschen Hersteller müssen sich aber beeilen, damit es nicht nur polnische und belgische Busse werden.“

„Wir bemühen uns, den Verkehr zu verändern. Wie reden ja heute über Ethik, weil wir glauben, dass es auf die Dauer nicht verantwortbar ist, unseren Kindern und Kindeskindern die Ressourcen wegzuverbrauchen, die sie vielleicht nochmal gebrauchen könnten.“ Al-Wazir erinnerte daran,  dass der Welterschöpfungstag vor 30 Jahren noch in den Dezember gefallen ist. „Jetzt ist er im August, und im nächsten Jahr wird er Ende Juli sein. Von diesem Moment an lebt die Welt auf Kosten der nachfolgenden Generationen.“ Der Welterschöpfungstag in Deutschland fällt angesichts unseres Ressourcenverbrauchs in den April.

Das Thema „Ethik der Mobilität – wie viel Verkehr können wir noch verantworten?“ diskutierten in diesem Jahr am Vorabend des 4. Deutschen Mobilitätskongresses die Redakteure Werner Balsen (DVZ), Detlef Esslinger (Süddeutsche Zeitung), Martin Gropp (Frankfurter Allgemeine Zeitung) und Frank-Thomas Wenzel (Berliner Zeitung / Frankfurter Rundschau). Neben Minister Al-Wazir gab Martin Schmied, Leiter der Abteilung "Verkehr, Lärm und räumliche Entwicklung“ am Umweltbundesamt den zweiten Impuls für die Diskussion.

Pressekontakt:


Jürgen Schultheis

House of Logistics & Mobility (HOLM) GmbH
Geschäftsbereich Netzwerk & Kollaboration
Bessie-Coleman Straße 7
Gateway Gardens
60549 Frankfurt am Main

Tel.: + 49 69 / 240070-556

E-Mail: juergen.schultheis@frankfurt-holm.de

Web: www.frankfurt-holm.de