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Frankfurt am Main , den 19.10.2017

Schmied: "Wir müssen die Emissionen des Verkehrs bis 2050 auf Null reduzieren."

Impulsvortrag zu Beginn der Diskussion "Ethik der Mobilität - wie viel Verkehr können wir noch verantworten?"

 

Die Emissionen im Verkehrssektor müssen bis zum Jahr 2050 auf Null reduziert werden, um die Ziele des Klimaschutzplans der Bundesregierung einhalten zu können. Die Verkehrswende allein wird dafür nicht ausreichend sein. Notwendig ist auch eine Energiewende. Darauf hat Martin Schmied, Leiter der Abteilung "Verkehr, Lärm und räumliche Entwicklung“ im Umweltbundesamt, Anfang Oktober in seinem Impulsvortrag zu Beginn der Diskussionsrunde „Ethik der Mobilität – wie viel Verkehr können wir noch verantworten?“ im House of Logistics and Mobility (HOLM) hingewiesen.

„Es stellt sich die Frage, ob wir das Wirtschafts- und Verkehrswachstum einerseits und die ökologischen Ziele wie Klimaschutz und Luftreinhaltung andererseits unter einen Hut bekommen können“, sagte Schmied. „Als Umweltbundesamt gehen wir davon aus, dass das möglich ist. Aber mit dem Verkehr, wie er heute stattfindet, wird das nicht möglich sein.“

Der Verkehrssektor emittiert heute mit rund 166 Millionen Tonnen Treibhausgasen genauso viele Schadstoffe wie 1990. Alle anderen Sektoren in Deutschland hätten im Schnitt die Treibhausgasemissionen um 30% gesenkt. Zwar sei der Verkehr effizienter geworden,  Autos und Lastkraftwagen brauchten heute weniger Energie als 1990. „Gleichzeitig ist der Verkehr aber extrem gewachsen.“

Die UN-Klimakonferenz von Paris (COP 21) hat vor zwei Jahren beschlossen, die Klimaerwärmung auf unter zwei Grad zu begrenzen, sagte Schmied. Für Deutschland bedeute das, dass wir uns auf 95% Treibhausgasminderung im Vergleich zu 1990 fokussieren müssten. Da andere Sektoren wie Landwirtschaft und Industrie nicht komplett emissionsfrei werden könnten, müssten andere Sektoren wie Verkehr, Wohnen und Energieerzeugung die Emissionen bis 2050 auf Null reduzieren.    

„Daran merkt man, dass wir so nicht weitermachen können wie bisher.“

Im Klimaschutzkonzept 2050 der Bundesregierung seien erstmals Ziele für den Verkehr festgelegt worden. Bis 2030 müssen die Treibhausgasemissionen danach auf weniger als 95 bis 98 Millionen Tonnen reduziert werden. „Wir liegen jetzt bei 166 Millionen Tonnen. Wir müssen in den nächsten 13 Jahren also 70 Millionen Tonnen Treibhausemissionen einsparen. Das haben wir in den vergangenen 26 Jahren nicht geschafft. Damit wird klar, unter welchem Druck wir stehen“, sagte Schmied.

Der Abteilungsleiter geht davon aus, dass wir den Verkehr, den wir heute haben, noch verantworten können. „Wir können auch anspruchsvolle Klimaschutzziele trotz Verkehrswachstum einhalten, aber wir brauchen ein Umsteuern.“

Dazu gehört laut Schmied die Verkehrs- und die Energiewende.  Das bedeutet, Verkehr zu vermeiden, auf öffentliche Verkehrsmittel zu verlagern und die Effizienz der Verkehrsmittel zu erhöhen. „60% Minderung erreichen wir durch die Verkehrswende, 40% Minderung durch die Energiewende. Aber da liegt das Problem.“ Je mehr Energie gebraucht werde, desto teurer werde die Energiewende. „Unsere Studien zeigen ganz klar: Wir können das auch mit viel Straßenverkehr erreichen, aber es wird teurer. Deshalb haben wir die Frage dieses Abends umdefiniert: Wie viel Verkehr wollen wir uns leisten?“  

Laut Schmied verursacht der Straßenverkehr externe Kosten, also Umwelt- und Gesundheitskosten, von 52 Milliarden Euro pro Jahr. Kosten, für die niemand aufkommt. 28 Milliarden Euro entfallen auf umweltschädliche Subventionen im Verkehr. Dieses Geld fehle im Bundeshaushalt. Fahrer von Diesel-Pkw beispielsweise würden unter dem Strich mit einer Milliarde Euro pro Jahr subventioniert. „Gleichzeitig versuchen wir, Elektroautos in den Markt zu bekommen und fördern die Anschaffung über vier Jahre mit einer Milliarde Euro. Wir fördern mit diesem Geld Elektromobilität gegen die Dieselfahrer an und wundern uns, warum die Dieselfahrer sagen, es ist doch günstiger, ein Dieselautos zu kaufen.“

Daran merke man, dass bei der Frage, wie viel können wir uns leisten, stärker angesetzt werden müsse. „Wir können viel verantworten, die Frage ist eher andersrum. Wie viel Geld wollen wir für die einzelnen Verkehre ausgeben. Das ist ein Thema, das wir angehen müssen.“

Pressekontakt:


Jürgen Schultheis

House of Logistics & Mobility (HOLM) GmbH
Geschäftsbereich Netzwerk & Kollaboration
Bessie-Coleman Straße 7
Gateway Gardens
60549 Frankfurt am Main

Tel.: + 49 69 / 240070-556

E-Mail: juergen.schultheis@frankfurt-holm.de

Web: www.frankfurt-holm.de