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Frankfurt am Main, den 21.03.2019

Wie lässt sich wachsender Verkehr klimaverträglich organisieren?

Umfrage zur Diskussion "Ethik der Mobilität" am 3. April im HOLM


Die Umfrage unter Expertinnen und Experten in Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft für die 3. Diskussion in unserer Reihe „Ethik der Mobilität – wie viel Verkehr können wir noch verantworten“ Infos und Anmeldung unter http://bit.ly/ethmoWeb. Wir dokumentieren bis zum 3. April die Antworten, die wir auf unsere Frage

„Wie lässt sich wachsender Verkehr im Blick auf das Abkommen von Paris (COP21) klimaverträglich organisieren, und wo sehen Sie den dringlichsten Handlungsbedarf?“

 

erhalten haben. Angeschrieben haben wir auch Vertreterinnen und Vertreter der in den Verkehrsausschüssen des Bundestages und der Landtage in Hessen und Rheinland-Pfalz vertretenen Parteien. Die Umfrage ist nicht repräsentativ, die Statements dokumentieren die Meinungen der Befragten und nicht die der HOLM GmbH.    

Dieselgate, Fahrverbote, Extremwetterlagen und verfehlte Klimaziele: Der Verkehrssektor nicht nur in Deutschland erlebt den Beginn einer umfassenden und tiefgreifenden Transformationsphase. Während die Autoindustrie über die Zukunft der Elektromobilität diskutiert und die Bundesregierung über die Details eines Klimaschutzgesetzes debattiert, protestiert die Jugend im Zuge der FridaysforFuture –Bewegung gegen eine aus ihrer Sicht unzureichende Klimapolitik.

Darüber diskutieren wir am 3. April, 18 Uhr,  im House of Logistics and Mobility interdisziplinär und Generationen übergreifend in unserer Reihe „Ethik der Mobilität – wie viel Verkehr können wir noch verantworten?“ mit Prof. Dr. Ing Lamia Messari-Becker, Mitglied im Sachverständigenrat für Umweltfragen der Bundesregierung, Jesko Treiber und Felix Quartier, beide Mitorganisatoren der Fridays for Future Demonstrationen, Dirk Kannacher, Vorstand GLS Bank, Prof. Dr. Michael Schreckenberg, Lehrstuhl für Physik von Transport und Verkehr, Universität Duisburg-Essen, und Volker Angres, Leiter und Moderator von ZDF.Umwelt.

Den Impulsvortrag hält Prof. Dr. Michael Bongardt vom Hans Jonas Institut der Universität Siegen. Jonas´ Hauptwerk „Das Prinzip Verantwortung – Versuch einer Ethik für die technologische Zivilisation“ hat die Basis gelegt für die Reihe „Ethik der Mobilität“.

Die Diskussion ist ein Programmteil des Deutschen Mobilitätskongresses 2019, der vom 26. bis 27. November auf der Hypermotion in Frankfurt am Main ausgerichtet wird.

Wie also lässt sich wachsender Verkehr im Blick auf das Abkommen von Paris (COP21) klimaverträglich organisieren? Wo muss gehandelt werden? Antworten kommen von

  • Volker Angres, Leiter und Moderator von ZDF.Umwelt und Leiter und Presenter von planet e,
  • Elke Barth (SPD), MdL Hessen
  • Sören Bartol (SPD) MdB,
  • Jutta Blatzheim-Roegler (Bündnis 90/Die Grünen) MdL Rheinland-Pfalz
  • Martin Bütikofer, Direktor Verkehrshaus der Schweiz, Luzern
  • Prof. Dr.-Ing. Uwe Clausen, Professor für Verkehrssysteme und -logistik an der Technischen Universität Dortmund und einer der Leiter des Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik
  • Dr. Jutta Deffner / Dr. Konrad Götz, Wissenschaftliche Mitarbeiter Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE)  
  • Arno Enners (AfD), MdL Hessen
  • Andrea Graf, BUND Hessen, Projektleiterin KWK-Kampagne 
  • Birgit Heitland (CDU), MdL Hessen
  • Michael Johannes, Geschäftsbereichsleiter Mobility & Logistics, Messe Frankfurt 
  • Dirk Kannacher, Vorstand GLS Bank
  • Eveline Lemke, Geschäftsführerin Thinking Circular, Stellv Ministerpräsidentin und Wirtschaftsministerin a.D. Rheinland-Pfalz
  • Ralph Lenkert (Die Linke) MdB,
  • Manfred Limbrunner, Vorstand Proton Motors
  • Michael Lindhof, Gründer und Geschäftsführer von mobileeee
  • Prof. Dr.-Ing Lamia Messari-Becker, Professorin für Gebäudetechnologie und Bauphysik an der Universität Siegen.
  • Alexander Müller (FDP) MdB,
  • Karl-Peter Naumann, Ehrenvorsitzender, Fahrgastverband Pro Bahn Bundesverband,
  • Ingrid Nestle (Bündnis 90/Die Grünen), MdB
  • Manfred Neun, ehem. Präsident der European Cyclists´ Federation
  • Heiko Nickel, Politischer Geschäftsführer, VCD Hessen
  • Christian Nußmüller, Stadtbaudirektion Stadt Graz, Leitung Referat für EU-Programme und internationale Kooperation. 
  • Dr. Karl Obermair, Program Director Future Mobility, TÜV International GmbH und Franziska Weiser, Consultant und Projektleiterin TÜV Rheinland,
  • Benedikt Oster (SPD), Verkehrspolitischer Sprecher, MdL Rheinland-Pfalz
  • Cem Özdemir (Bündnis 90/Die Grünen) MdB,  
  • Prof. Gerhard Prätorius Honorarprofessor für „Mobilität und Nachhaltigkeit“ an der TU Braunschweig,
  • Yanki Pürsün (FDP) MdL Hessen,
  • Prof. Dr. Volker Quaschning, Professor für Regenerative Energiesysteme an der Hochschule für Technik und Wirtschaft, Berlin, Mitbegründer der ScientistsforFuture
  • Michael Sahm, Director of Business Development at ForestFinest Consulting GmbH , BCC Business Communications Consulting GmbH
  • Prof. Pierluigi Coppola, Chairman Associaton for European Transportation, University of Rome Tor Vergata 
  • Prof. Dr. Michael Schreckenberg, Professor für Physik von Transport und Verkehr, Universität Duisburg-Essen
  • Dag Schulze, Klimabündnis, Nationalkoordinator Deutschland
  • Frank Sportolari , Deutschland-Chef UPS
  • Axel Sprenger, Geschäftsführer Uscale GmbH
  • Oliver Stirböck (FDP) , MdL Hessen
  • Katy Walther  (Bündnis 90/Die Grünen), MdL Hessen
     

Lesen Sie die Antworten im Einzelnen:

Cem Özdemir, Abgeordneter des Deutschen Bundestages (Bündnis 90/Die Grünen), Vorsitzender des Ausschusses für Verkehr und digitale Infrastruktur:

"Allein mit den Verkehrsmitteln, mit denen wir uns in Klimakrise, Megastaus und Dauersmog manövriert haben, kommen wir nicht mehr weiter. Wir brauchen eine Verkehrswende. Verkehrswende heißt für mich nicht, irgendjemandem vorzuschreiben, wie sie oder er sich zu bewegen hat, sondern für klimafreundliche Angebote und attraktive Alternativen zu sorgen.

Dazu müssen wir bereit sein, jetzt in die Verkehrswende zu investieren. Und wir brauchen eine mutige Politik, die bereit ist, ökologische und soziale Leitplanken einzuziehen und Schluss macht mit Retro-Politik und Nostalgie à la CSU.

Eine Kaufprämie für E-Autos kann nicht funktionieren, wenn wir daran festhalten, dass Jahr für Jahr Milliarden für die Subvention von Dieselkraftsoff draufgeht. Wir werden nicht klimafreundlich unterwegs sein, wenn Bahnfahren teurer bleibt als fliegen. Verkehrswende funktioniert, wenn wir uns trauen, jetzt nach vorne zu denken. Mit einem Pakt für eine starke Schiene, massive Investitionen in Bus und Bahn, in Radverkehr und emissionsfreie Mobilität."

Frank Sportolari, Deutschland-Chef UPS:

"Entscheidend ist die schnelle Umsetzung von Innovationen. Hierzu braucht es Mut bei allen involvierten Stakeholdern: Mut etwas Neues auszuprobieren. Bei UPS in Deutschland setzen wir schon seit 2010 zu reinen Elektro-Fahrzeugen umgerüstete 7,5 Tonner ein, die wir ausschließlich mit grünem Strom betreiben – und wir vergrößern unsere alternativ angetriebene Flotte kontinuierlich.

Wir müssen die Digitalisierung weiter vorantreiben. Auf der Grundlage digitalen Daten können wir Lieferprozesse ökologisch und ökonomisch gestalten - zum Beispiel, um herauszufinden, welche Standorte sich am besten für die Lieferungen über Mikro-Depots mit E-Lastenrädern eignen. Bereits seit 2012 liefern wir Pakete auf diese Weise aus. Wir suchen weiterhin nach Möglichkeiten, neue fortschrittliche Antriebstechnologien einzusetzen und investieren in die Optimierung der Routenplanung, denn jeder Kilometer, der nicht gefahren werden muss, ist am nachhaltigsten."

Benedikt Oster (SPD), Verkehrspolitischer Sprecher, Landtagsabgeordneter Rheinland-Pfalz

"Indem man die bestehenden Verkehrs Ressourcen möglichst effizient nutzt, siehe Sharing Angebote und einen ÖPNV/SPNV attraktiver gestaltet. Weiter müssen die Verkehre mehr auf Wasser und Schiene verlagert werden. 
Und zu guter Letzt brauchen wir eine Antriebswende, die technologieoffen gedacht wird. Ich halte nichts davon, sich rein auf E-Mobilität zu beschränken, es gibt viele  weitere Möglichkeiten, wie zum Beispiel Wasserstoff oder Synthetische Stoffe." 
  

Dirk Kannacher, Vorstand GLS Bank

"Zukünftig wird es immer weniger darum gehen, Mobilität zu besitzen, sondern diese gemeinsam intelligent zu nutzen. Die Mobilitätswende ist eine Kopf- und Bauchwende. Das Verständnis für die Veränderung ist schon bei vielen Menschen vorhanden, aber emotional ist das Auto "des Deutschen liebstes Kind“. Deshalb muss intelligente Mobilität Spaß machen, einfach und preiswert sein."



Sören Bartol (SPD), stellvertretender Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion

"Wir brauchen in der Mobilität eine Trendwende, um unsere Klimaschutzziele bis 2030 zu erreichen. Dabei ist die größte Herausforderung, dass wir uns weiterhin alle mobil zu bezahlbaren Preisen bewegen können. Mit Hilfe der Digitalisierung müssen wir unsere Mobilität effizienter organisieren. Gleichzeitig brauchen wir eine Antriebswende beim Automobil. Als Brückentechnologie werden wir außerdem auch auf synthetische und Bio-Kraftstoffe setzen müssen. Darüber hinaus müssen wir auf umweltfreundliche Busse und Bahnen setzen und den ÖPNV und den Schienenverkehr massiv ausbauen. Damit der Wandel der Mobilität Fahrt aufnimmt, setzen wir auf eine Stärkung der öffentlichen und privaten Investitionen in Innovationen. Außerdem brauchen wir einen Mix aus steuerlichen und preislichen Anreizen."

Birgit Heitland (CDU), MdL Hessen 

"Klimaschutz ist eine globale Aufgabe. Wir müssen Vorreiter sein, aber alleine können wir das Klima nicht retten. Daher brauchen wir ambitionierte, aber auch erreichbare Ziele. Nur mit einem technologieoffenen Ansatz können wir wachsenden Verkehr klimaneutral organisieren. Um zusätzliche Wege zur Emissionsreduktion im Verkehrsbereich zu eröffnen, sollte z. B. die Erforschung und der Einsatz synthetischer Kraftstoffe oder der Brennstoffzelle stärker unterstützt werden. Wir wollen weiterhin eine gute Mobilität für alle, aber keine Denkverbote. Wir müssen die Verkehrspolitik nach vorne entwickeln.“

Prof. Pierluigi Coppola, Chairman Association for European Transportation (AET):

"Die Klimaschutzziele können wir am Besten erreichen, in dem wir die Menschen auf dem Weg zu einer umweltverträglichen Mobilität mitnehmen und ihren individuellen Nutzen dabei in den Vordergrund stellen. Dieses schaffen wir nur, wenn es uns gelingt, den  Spaß an der Verkehrswende zu vermitteln, z.B. das persönliche Wohlbefinden nach einer Fahrradfahrt, das wohltuende Gespräch mit dem lokalen Händler der regionalen Produkte... Kurz: Care for your Own well-being and contribute to Public Goods."

Manfred Neun, ehemaliger Präsident der European Cyclists´ Federation (ECF)

"Den UN-Nachhaltigkeitszeilen haben wir es zu verdanken, dass alle Länder dieser Welt „Entwicklungsländer“ in Sachen Nachhaltigkeit sind, den Auseinandersetzungen um COP 21 haben wir es zu verdanken, dass auch das Thema Verkehr Eingang in den Gesamtkanon fand.

Wenn wir Verkehr klimaverträglich organisieren wollen, dann gilt es zuallererst menschliche Mobilität als menschliches Verhalten zu verstehen, und nicht nur als technische Herausforderung. Während wir bei der Technik zur Reduktion von Emissionen in Teilen arbeiten können, müssen wir beim menschlichen Verhalten zur klimafreundlichen Transformation immer den gesamten Menschen, seine Bedürfnisse und sein facettenreiches Verhalten, beachten. Und wir müssen die dabei inhärente Komplexität akzeptieren.

Ganz praktisch bietet dies der verhaltensorientierte Ansatz der Fusion Mobility, der den holistischen und komplexen Anforderungen zukünftiger nachhaltiger – und damit auch klimaverträglicher – Mobilität entspricht. In sechs Bausteinen werden die Potentiale aktiver Mobilität, des öffentlichen Raums, öffentlicher und geteilter Verkehrsmittel, sozialer, ökologischer und wirtschaftlicher Faktoren, der jetzigen und zukünftiger Fahrzeuge von der Mikromobilität bis zu den selbstgesteuerten Fahrzeugen und ihrer jeweiligen Infrastruktur, sowie die vernetzte, digitale Mobilität und die komplexen Interaktionen abgebildet. Dieses alles ist eine große Chance die lernenden Maschinen der künstlichen Intelligenz klimafreundlich zu erziehen. Gefüttert mit den rein technischen Verkehrs-Parametern, wie derzeit praktiziert, führt es uns klimapolitisch jedoch vom „Regen in die Traufe“.

Fusion Mobility – Discovering the Mobility-DNA of Inclusive Cities. Technical Paper; Velo-City 2018 Rio de Janeiro, Scientists-for-Cycling sessions. Download

Prof. Knut Ringat, Sprecher der Geschäftsführung des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV)

"Wenn wir Mobilität wirklich klimafreundlich gestalten wollen, führt kein Weg an der Verkehrswende vorbei. Um das zu ermöglichen, brauchen wir dringend mehr Investitionen in die Infrastruktur – das heißt, den Sanierungsstau im Schienennetz aufarbeiten, neue Schienenverbindungen bauen, mehr Fahrzeuge bestellen und noch mehr Menschen davon überzeugen, dass es im ÖPNV zukunftssichere und interessante Berufe gibt. Unser Ziel ist es, dass im Jahr 2030 30 Prozent mehr Fahrgäste den ÖPNV nutzen. Dafür setzen wir uns schon heute ein."

Oliver Stirböck (FDP), MdL Hessen 

"Der Umwelt- und Klimaschutz muss im Einklang mit der wirtschaftlichen Entwicklung unseres Landes stehen und darf nicht ideologisch zu Lasten der Arbeitsplätze betrieben werden. Das ist im ureigenen Interesse des Umweltschutzes, denn alle Investitionen in umwelt- und klimafreundliche Technologien müssen am Markt verdient werden.

Wir werden die Energieforschung wieder ausbauen und Anreize für Investitionen in private Energieforschung setzen. Potenzial sehen wir beispielsweise in der Erforschung und Entwicklung emissionsfreier Treibstoffe, denn der Verkehrssektor ist in Hessen mit Abstand der größte Energieverbraucher. CO2-neutrale Treibstoffe hatten den großen Vorteil nicht nur Emissionen einzusparen, sondern sie können auch in allen Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor, vom Kleinwagen bis zum LKW, zum Einsatz kommen. Die bestehende Infrastruktur (Tankstellen usw.) könnte weiter genutzt werden, was den Klimaschutz deutlich wirtschaftlicher macht.

Auch Elektromobilität und Brennstoffzellentechnologien wollen wir unterstützen. Vor allem im Ballungsraum, bei Zustell- und Kurzstrecken, sehen wir große Chancen. Elektromobilität ist dann klimafreundlich, wenn über den gesamten Zyklus der Fahrzeugproduktion und des Fahrens weniger Treibhausgase emittiert werden. Am Ende müssen aber die Verbraucher, nicht die Politik, entscheiden, welche Angebote für sie die Richtigen sind. Da sind Kosten, Reichweiten, Praktikabilität im Alltag, Ladesäulenverfügbarkeit und Wiederverkaufswerte wichtige Argumente.

Selbstverständlich setzen wir auch ganz besonders auf verbessertes Angebot des Öffentlichen Nah- und Fernverkehrs gerade im dichtbesiedelten Rhein-Main-Gebiet, einen Ausbau von Radwegen, moderne Verkehrslenksysteme sowie Carsharing. Alles gemeinsam kann dazu beitragen, Mobilität zu erhalten und gleichzeitig Emissionen zu vermindern."

Michael Sahm, Nachhaltigkeitsberater bei Business Communications Consutling (BCC): 

"Preise gehören zu den besten Steuerungsinstrumenten. Klimaschädliches Fahren muss teurer werden, klimafreundliches günstiger. Eine CO₂-Steuer bewirkt genau das. Sie verteuert das Auto gegenüber der Bahn und anderen Alternativen.

Die Gerechtigkeitsfrage beantwortet eine Klima-Dividende: Was der Staat einnimmt, schüttet er pro Kopf der Bevölkerung wieder aus. Reiche haben meist einen größeren ökologischen Fußabdruck, sie fahren größere und mehrere Autos und fliegen häufiger. Sie trifft eine Klimasteuer stärker. Ärmere hingegen können mehr zurückbekommen als sie einzahlen."

Dr. Karl Obermair, Program Director Future Mobility TÜV Rheinland, Franziska Weiser, Consultant und Projektleiterin TÜV Rheinland:

"Das Ziel sollte sein, Verkehr zukünftig so sicher, effizient, nachhaltig und sozial verträglich zu gestalten, dass den steigenden individuellen und gesellschaftlichen Mobilitätsbedürfnissen ohne negativen Begleiterscheinungen weitestgehend entsprochen werden kann. Der durchschnittliche PKW-Besetzungsgrad in Deutschland liegt seit Jahren bei 1,5 Personen pro PkW. Mit neuen innovativen Mobilitätskonzepten im Bereich des Sharings können z.B. Auslastungsgrade und Nutzungszeiten gesteigert werden, um dadurch verkehrsreduzierende Potenziale zu heben.

Neben der Verkehrsreduktion ist für die Erzielung einer klimaverträglicheren Mobilität langfristig eine Veränderung zu lokal-emissionsfreien Antrieben unabdingbar. Beide Ansätze kombiniert haben natürlich den höchsten Wirkungsgrad. Laut Kraftfahr-Bundesamt ist der elektrisch-angetriebene Anteil von Car-Sharing-Flotten schon jetzt rund 70-Mal höher als der im gesamten nationalen Fahrzeugbestand. Gleichzeitig muss es vielleicht nicht immer das (eigene) Auto als Verkehrsmittel sein? Eine Stärkung des Umweltverbunds kann ebenfalls zu Verkehrsreduktion beitragen.

Das bedeutet die dringendsten Handlungsfelder sind: In unseren Köpfen Mobilität neu zudenken – Weg vom Besitzen eines Autos hin zum Nutzen von situativ-passenden Verkehrsmitteln (Fahrrad, Roller, Bus, Bahn, etc.). Innovative und nachhaltige Mobilitätskonzepte nicht nur als Schaufenster-Projekte zu konzipieren, sondern so in den Alltag zu implementieren, dass sie einen signifikanten und objektiv nachweisbaren Beitrag zur Erreichung der übergeordneten gesellschaftlichen und ökologischen Ziele leisten."

Martin Bütikofer, Direktor Verkehrshaus der Schweiz, Luzern:

"Mit sharing economy kann die rasch wachsende Weltbevölkerung die Ressourcen schonen und die Emissionen reduzieren. Neue Energieformen und -speicher genügen nicht. Es braucht eine Änderung des Mobilitätsverhaltens und flankierende Massnahmen in der Verkehrspolitik, die weltweit für alle gelten."

 

Ingrid Nestle, Abgeordnete des Deutschen Bundestages (Bündnis 90/Die Grünen), Sprecherin für Energiewirtschaft.

"Verkehr ist an sich weder gut noch schlecht. Er ist Mittel zum Zweck, um mobil zu sein. Mobilität heißt für mich dorthin zu kommen, wo ich die Dinge erledigen kann, die mir wichtig sind. Erholung, Familie, Arbeit, Einkaufen und anderes.

Schlecht an Verkehr sind seine Auswirkungen auf die Menschen selbst, die anderen Menschen und die Umwelt. Diese Auswirkungen gilt es zu minimieren, möglichst ohne die Bedürfnisse der Menschen einzuschränken. Wir Menschen legen durchschnittlich drei Wege am Tag zurück und sind dafür 1-2 Stunden unterwegs. Daran hat sich im Prinzip seit Jahrzehnten, wenn nicht gar seit Jahrhunderten nichts geändert. Alle Maschinen, die wir erfunden haben, um unterwegs Zeit zu sparen, haben wir nur dafür genutzt, die Wege länger zu machen. Hier können wir viel Verkehr einsparen, ohne weniger mobil sein zu müssen. Regional einkaufen und wirtschaften hilft hier viel weiter. 31% der Wege dienen der Daseinsvorsorge wie Einkaufen oder Arztbesuchen.

Die Hälfte der Verkehrsleistung aber sind wir unterwegs, weil wir es wollen: Der Freizeitverkehr. Hier gilt es vor allem die Verkehrsmittelwahl ökologischer zu gestalten. Vornean stehen Zug, Bus, und Fahrrad. Nicht zu vergessen die Füße und Elektrokleinstfahrzeuge auch PLEV (personal Light Electric Vehicle) genannt. Ideal ist es, wenn man sie zum Umweltverbund kombiniert.

Erst danach sollte die Umstellung der Antriebsarten von Kfz stehen. Es geht nicht darum, das Auto abzuschaffen, sondern es sinnvoll zu nutzen und zu teilen sowie mit elektrischen Antrieben zu versehen, selbstverständlich gepowert aus Erneuerbaren Energien.

Also: Der Dreiklang aus Verkehrsvermeidung durch starke Wirtschaft vor Ort, Verkehrsverlagerung auf den Umweltverbund und die Verkehrsmittelumstellung auf Erneuerbare Energien macht die Verkehrswende zum zentralen Element des Klimaschutzes. Das ist auch sehr notwendig, da durch seine steigenden Emissionen der Verkehr das Sorgenkind ist. Zu viele, zu große Autos killen das Klima, verpesten die Luft und stehlen uns den Lebensraum in den Städten."

Alexander Müller, Abgeordneter des Deutschen Bundestages (FDP)

"Der Verbrennungsmotor ist der am weitesten verbreitete Antrieb individueller Mobilität. Gerade daher finde ich es sinnvoll, den Verbrennungsmotor weiterzuentwickeln, mit klimafreundlichen synthetischen Kraftstoffen oder ausgereiften Abgasreinigungssystemen. Den ÖPNV gerade in Städten attraktiver und nutzerfreundlicher zu gestalten, ist ebenso wichtig, um die Klimaziele von Paris zu erreichen."

 

Michael Lindhof Gründer und CEO mobileeee:

"Emissionsfreie Fahrzeuge tragen bedeutsam zum Klimaschutz bei, machen aber im 1:1-Ersatz die Straßen (und Parkzonen) noch nicht leerer. Das bessere Füllen der Fahrzeuge durch Mitfahr-Lösungen, Sharing und in öffentlichen Verkehrsmitteln muss Nahziel einer Verhaltensänderung sein. Diese zu incentivieren, nicht altes Verhalten sanktionieren, würde die Bereitschaft dazu sicherlich erhöhen.  

Wesentlicher Handlungsbedarf besteht in den verkehrs-, ordnungs- und förderpolitischen Rahmenbedingungen, die so anzupassen sind, dass die Verkehrswende als wesentlicher Beitrag zum Erreichen der Klimaschutzziele beitragen kann. Die Gesellschaft hat längst begriffen, dass Wandel in vielerlei Hinsicht erforderlich ist, um das Klima weltweit lebenswert zu halten. Solange sich die Politik aber zu bequem gibt, verändern zu viele Menschen – trotz längst vorhandener innerer Klarheit – ihre gesetzten Gewohnheiten (noch) nicht – es bedarf konsequenter Leit- und Vorbilder aus der Politik."

Michael Johannes, Geschäftsbereichsleiter Mobility & Logistics, Messe Frankfurt:

"Die Grundlage für eine nachhaltige Entwicklung von Verkehr, Mobilität und Logistik kann ja nur die Dekarbonisierung sein – und zwar in höherem Tempo als bisher. Im Prinzip hilft alles, was einen Einfluss auf den Mix der Verkehrsträger nimmt. Das können in gewissem Ausmaß politische Maßnahmen sein, oder wirtschaftliche Anreize. Was aber oft übersehen wird, am Ende entscheidet der Verbraucher. So haben wir in Deutschland zum Beispiel immer noch eine hohe Skepsis gegenüber der Elektromobilität, die sich nicht immer rational begründen lässt. Auch der Einsatz von Künstlicher Intelligenz beim Autofahren wird weniger als Chance für mehr Sicherheit gesehen, sondern stößt auf Ängste und Vorurteile. Das kostet uns viel Zeit, die wir eigentlich nicht haben, wenn wir bei der Erreichung der Klimaziele erfolgreich sein wollen. Obwohl sensorgestützte Abbiege-Assistenten bei LKWs längst serienreif entwickelt sind und jedes Jahr Dutzenden Fahrradfahrern das Leben retten könnten, wird ihre Einführung vielfach von langwierigen Tests abhängig gemacht.

Es ist schon so, für vieles, was heute schon an nachhaltigen Technologien und Logistiken für Mobilität verfügbar ist, müssen wir die Menschen auch erst gewinnen – und das sehe ich als einen dringlichen Handlungsbedarf an. Dabei ist auch wichtig, dass die Entwickler und die Unternehmen auch direkt mit den Menschen in Kontakt treten, mit ihnen in den Dialog gehen. Mit unseren Messen und Events bieten wir dafür vielfältige Plattformen und leisten damit unseren Beitrag zur Mobilitätswende."  

Volker Angres, Leiter und Moderator von ZDF Umwelt und Leiter und Presenter von planet.e

"Im Verkehrssektor gibt es keine Patentlösungen, auch wenn so mancher das Elektro-Auto dafür hält. Ein völlig vernachlässigter Ansatz ist Verkehrsvermeidung, z.B. durch den massiven Ausbau von home-office-Tätigkeiten."




Prof. Dr. Volker Quaschning, Professor für Regenerative Energiesysteme an der Hochschule für Technik und Wirtschaft, Berlin, Mitbegründer der ScientistsforFuture:

"Wir brauchen bereits 2040 einen klimaneutralen Verkehr. Autos mit Verbrennungsmotoren sollten ab 2025 nicht mehr gebaut werden dürfen. Sie müssen durch Verkehrsreduktion, Ausbau öffentlicher Verkehrsmittel und nahezu vollständige Elektromobilität ersetzt werden."

 

 

 

Pressekontakt:


Jürgen Schultheis

House of Logistics & Mobility (HOLM) GmbH
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Tel.: + 49 69 / 240070-556

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